Aktuelles Heft

Die GIESSEREI ist die bedeutendste und auflagenstärkste Gießereifachzeitschrift Europas. Hier finden Sie den Inhalt der aktuellen Ausgabe 10/2026.

Branche | BDG

  • Eisenwerk Brühl: Umweltpolitische Theorie trifft auf industrielle Praxis
  • Landesregierung setzt sich für Rohstoffsicherung von Gießereien ein
  • Fachausschuss Digitalisierung: BDG nimmt Schlüsselthema in den Fokus

Branche | Meldungen

  • Trimet: Neues Werk in Hamm
  • Automotive Package: Fehlsteuerung aufgedeckt
  • Schüle Druckguss: Sanierung eingeleitet

Branche | Interview

  • Im Gespräch mit Roswitha Stauß, Metallgießerei Stauß – „Forschung verschafft uns kreativen Freiraum“, Niklas Reiprich

Special Schmelzen & Legieren

  • Legierungsentwicklung – Aluminiumwerkstoffe für de Hochtemperatureinsatz, Stuart Wiesner
  • Magnesium – Strategischer Rohstoff, sicherer Schmelzprozess, Maria Pammer, Florian Sipek, Peter Rauch und Peter Liepert
  • Präzise Schmelz- und Gießprozesse – Radarbasierte Füllstandsmessung von Flüssigmetall, Matthias Meisenheimer
  • Induktionsofentechnik für Aluminiumgießereien – Effizient schmelzen, präzise steuern, Frank Donsbach und Magnus Sievers
  • Brückenbildung im Induktionstiegelofen – Wenn eine Schmelzlösung zum Sicherheitsrisiko wird, Ulf Knobloch

Forschung

  • Strukturierte Prozessmodelle – Energieflexibilität in der Gießerei datenbasiert erschließen, Sergii Kolomiichuk, Aliena Oelke und Stefanie Samtleben

Prozess&Produkt

  • Neue Generation glatter Kohlenstoffschichten – Verschleißfest, reibungsarm und selbsttragend, Markus Forytta
  • Gießerei-Modernisierung – Neue Gießmaschinen von Heinrich Wagner Sinto bei Atik Metal, Gerald Feuerstein
  • Aussagekraft mechanischer Kennwerte – Verformungsverhalten kristalliner metallischer Werkstoffe, Friedrich Klein und Norbert Südland
  • Qualitäts- und Kostenoptimierung – Prozessicherheit durch Parameter- statt Werkzeuganpassungen, Magma Giessereitechnologie GmbH

Management

  • Wissensmanagement – Weniger ist meist mehr: Fünf häufige Fehler vermeiden, Sabine Prohaska

Das Netzwerk ist entscheidend

© BDG
Martin Vogt, Chefredakteur der GIESSEREI © BDG

Industrie- und Standortpolitik war über die vergangenen Jahre noch nie ein Schwerpunkt der Bundespolitik. Und dass Dinge nicht im politischen Fokus lagen, fiel lange Zeit gar nicht sonderlich auf. Deutschlands Industrie war schlicht zu erfolgreich dafür: Der Export brummte vor allem nach Einführung des im Vergleich zur alten D-Mark nicht sonderlich starken Euro. Die ganze Welt und vor allem China kaufte deutsche Maschinen und Autos.

Das hat sich dramatisch geändert. Ob und wie laut der Begriff „Deindustrialisierung“ ausgesprochen wird, hängt vom politischen Standpunkt ab. In letzter Zeit hat man ihne weniger oft gehört ‒ aber nicht deshalb, und das ist der Kern des Problems, weil sich das Thema erledigt hätte. Sondern weil vor dem Hintergrund der Verschiebung der Wählerpräferenzen für die Berliner Regierungskoalition innen- und sozialpolitische Themen noch stärker in den Fokus rücken. Fatal: Damit geraten Themen noch stärker ins Abseits, die weniger emotional sind als Rente und weitere. Ein Beispiel dazu. Der Bundesfinanzminister plant, die Zuschüsse zu den Übertragungsnetzkosten deutlich zu senken. Womit die Nutzung der Netze deutlich teurer wird ‒ das wird die Stromkosten 2027 deutlich erhöhen, auch für Deutschlands Gießereien. Statt die Rahmenbedingungen für die Industrieproduktion zu vebessern, macht die Bundesregierung faktisch das Gegenteil: Sie verschlechtert die Bedingungen. Und auch die Forschung muss verstärkt um ihre Mittel kämpfen.

Das ist deswegen so folgenschwer, weil Industrie- und Standortpolitik gerade in der derzeit wirtschaftlich schwachen Phase besonders wichtig wäre. Und so dringend Gießereien auch niedrigere Strompreise brauchen ‒ es gehört weit mehr dazu und das Thema ist größer: Faktisch war Deutschlands Industrieproduktion auch deswegen über Jahrzehnte so leistungsstark und konkurrenzfähig, weil sie ein großes, komplexes Netzwerk bildet. Zu diesem Netzwerk gehört auch eine leistungsfähige Forschung, die Gießereien wesentliche Wettbewerbsvorteile verschaffen kann. Das hatte uns gegenüber Roswitha Stauß, Geschäftsführerein der Metallgießerei Stauß, betont. „Forschung verschafft uns kreativen Freiraum“, sagte Sie im Interview, das Sie ab Seite 16 dieser Ausgabe lesen. Hintergrund ist das Forschungsprojekt HiQFoundry, das sich eine automatisierte Erfassung, Verknüpfung und Auswertung von Prozess- und Prüfdaten auf die Agenda gesetzt hat. Gerade für kleine und mittelständische Gießereien ein entscheidender Schritt vorwärts.

Was zeigt uns das? Die wenigsten Unternehmen können alle für die eigene Wettbewerbsfähigkeit entscheidenden Kompetenzen selbst vorhalten. Es braucht Partner aus Forschung und Entwicklung, Zulieferer, Kunden und andere Mitstreiter, mit denen Wissen geteilt, Lösungen entwickelt und Innovationen schneller in die Praxis gebracht werden können. Und um zurück zur Industriepolitik zu kommen: Ein solcher Verbund ist klarer Standortvorteil ‒ und zwar einer, der sich nicht kurzfristig ersetzen lässt.