Aktuelles Heft
Die GIESSEREI ist die bedeutendste und auflagenstärkste Gießereifachzeitschrift Europas. Hier finden Sie den Inhalt der aktuellen Ausgabe 06/2026.
Branche | BDG
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Deutscher Gießereitag 2026 in Göttingen: „Gießerei ist Champions League“
Branche | Meldungen
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Fachtagungen in Suttgart: Potenziale industrieller Abwärme
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Seltene VDG-Auszeichnung: Dr. Erwin Flender zum Ehrenmitglied ernannt
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Kurtz Ersa: Gießereimaschinenbau geht an Fill
Branche | Veranstaltungen
- Aalener Gießerei-Kolloquium 2026: Innovationen in Druckguss, Lothar Kallien und Daniel Schwarz
Special Castforge
- Castforge und Make-to-Order Days 2026: Stuttgart bildet komplette Wertschöpfungskette ab, Niklas Reiprich
- Interview mit Projektleiterin Anna-Lisa Wolf: „Resilienz der Unternehmen rückt in den Fokus“, Niklas Reiprich
- Leistungsschau der Gießerei-Industrie: Das sind die Aussteller der Castforge
- Vortragsprogramm in Stuttgart
Forschung
- Austenit-Liquidus-Temperatur ‒ Einflüsse auf die Messwerte, Cor van Ettinger
- Digitalisierung: Sicherer überbetrieblicher Datenaustausch, Tobias Kutzler, Denes Schäfer, Aliena Oelke und Jan Nordmeier
Prozess&Produkt
- Organische Kernbinder: Emissionsarme und nachhaltige Alternativen für heute & morgen, Josephine Scheurell, Sandra Eschrich und Steven Krumm
- Prozessstabilität: Virtuelle Exzellenz durch Systematik, Magma Gießereitechnologie GmbH
- Sand 3D-Druck: StepX - In Situ Treppenstufenglättung von Formen und Kernen, Martin Kaiser
- Digitalisierungsprojekt bei Fritz Winter: IT-Modernisierung ohne Produktionsstillstand, Heiko Kaden
- Hochdruckwasserstrahlentgraten: Automatisiertes Anlagenkonzept für prozesssichere, saubere Bauteile, Christine Brühöfner
Management
- Total Cost of Risk: Risikomanagement und Optimierung - Strategien für Gießereibetriebe, Johannes Vogl und Rudolf Schiel
Es braucht eine Zukunftsagenda
Dieses Editorial habe ich am ersten Tag nach Göttingen verfasst. Da sind die Eindrücke vom Deutschen Gießereitag 2026 noch frisch, klingen die vielen Gespräche mit den Teilnehmern noch nach, spüre ich die Stimmung. Und die war nicht gut, was nach meiner Wahrnehmung an einer Verkettung von Umständen liegt: Natürlich ist es ganz wesentlich die wirtschaftliche Situation unserer Branche, die die Stimmung nach unten zieht. Wenn die beiden wesentlichen Abnehmermärkte ‒ Automobil und Maschinenbau ‒ schwächeln, dann trifft das nun mal deren Zulieferer ganz besonders massiv. Aber es kommt noch etwas Entscheidendes hinzu: Es fehlt die Perspektive. Das hat Göttingen in aller Deutlichkeit gezeigt. Und um einen anderen Begriff zu verwenden: Es fehlt die Vision. Wer oder was will Deutschland eigentlich sein? Ein Spielball der Folgen geopolitischer Entscheidungen, die in anderen Staaten getroffen werden? Reicht es dem einstigen Exportweltmeister Deutschland, der viele Jahre vor Kraft kaum laufen konnte, „Opfer“ von Krisen und Kriegen zu sein, die anderswo ausgelöst werden? Bräuchte es nicht eine eigene Stärke, ein eigenes Feuer? Als Mensch wappnet man sich gegen „Krisen“ wie Infekten, die von außen kommen, mit Sport, vernünftiger Ernährung, ausreichend Schlaf. Man entwickelt innere Stärke, um dem Außen mit Resilienz zu begegnen. Wo ist die innere Stärke Deutschlands? Seine Resilienz? Seine Vision, wer es künftig sein will und was es dazu braucht? Der Mangel an Vision zieht sich durch. Wir sind ein Land im Stillstand.
Wachstum gibt es nur bei der Bürokratie. Das verschlimmert die Lähmung. Nicht zufällig hat die Zahl der medialen Analysen über die vergangenenen Wochen und Monate, die zu genau diesem Ergebnis kommen, enorm zugenommen. Und auch der Gießereitag (den ausführlichen Bericht lesen Sie wenige Seiten weiter hinten) bestätigte im Querschnitt aller Impulse dieses grundsätzliche und äußerst unerfreuliche Bild eines Landes, dem Vision und Wachstum fehlen. Mindestens braucht es eine industriepolitische Zukunftsagenda dafür.
Nach meinem Eindruck ist da auch etwas gekippt seit dem letzten Gießereitag. In Aachen hatte es durchaus Hoffnung gegeben ‒ auf wirtschaftspolitische Reformen, die die damals neue Bundesregierung angekündigt hatte. Passiert ist nahezu nichts seitdem. Diese innere Schwäche des Standortes, gekoppelt mit fehlender Vision, wirkt bis in unsere Branche hinein. Beispielhaft dafür: Während das Digitalisierungspanel im vergangenen Jahr geradezu elektrisierend wirkte und mit weitem Abstand die meisten Publikumsfragen aller Sessions generierte, war den Panellisten in Göttingen ein Jahr später eine gewisse Verzweiflung anzumerken, die sich in Digitalisierungs-Appellen äußerte. Aus dem Publikum gefragt wurde deutlich weniger.
Die aktuellen Umstände sind ein alles andere als investitionsfreundliches Klima, wenngleich genau dies ja nötig wäre: Investieren. In Technik, in Digitalisierung, KI. Und da zeigten einige Ansätze und Best-Practise-Vorträge, dass gerade in einem aktuell visionslosen Deutschland eines durch nichts zu ersetzen ist: Unternehmerischer Mut und Tatkraft.