Auf die Gießerei-Industrie wartet auch 2026 ein anspruchsvolles Jahr. In seiner aktuellen Konjunkturprognose weist der Branchenverband BDG auf den massiven Druck hin, der die Mitgliedsunternehmen belastet.
Der BDG geht von einer Seitwärtsbewegung der Produktion auf niedrigem Niveau aus, mit weiterhin hohem Druck auf den Unternehmen. Umso wichtiger ist es aus Sicht des Verbands, dass 2026 die Energie-, Bürokratie- und sonstige Standortkosten entscheidend gesenkt werden. Zudem müsse die Wiederherstellung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit ins Zentrum der bundesdeutschen und europäischen Politik rücken.
Die verhaltene Jahresprognose bekommt besondere Brisanz vor dem Hintergrund eines bereits außerordentlich schwachen Vorjahres. Die Gussproduktion ging im Jahr 2025 um rund 4 Prozent zurück und belief sich auf rund 3,3 Millionen Tonnen. Der Umsatz sank noch deutlicher – um 7 Prozent auf weniger als 12 Milliarden Euro. Das Jahr 2025 war zudem geprägt von umfangreichen Kapazitätsanpassungen und Insolvenzen sowie einem weiteren Einbruch bei der Beschäftigung um signifikante 6 Prozent. Vor diesem Hintergrund steht die Gießerei-Industrie an einem Kipppunkt: Ohne neue Impulse droht sich der seit Jahren andauernde Anpassungsprozess und die Deindustrialisierung weiter zu verfestigen.
"Private Investitionsnachfrage bleibt schwach"
"Auch wenn der Rückgang bei der Produktion gestoppt zu sein scheint, bleibt die Lage in unserer Branche mehr als kritisch", erklärt Dr. Martin Theuringer, Hauptgeschäftsführer des BDG. "Die fiskalischen Impulse aus den Sondervermögen kommen nur allmählich an, die für uns viel wichtigere private Investitionsnachfrage bleibt jedoch schwach und die Auswirkungen aus den Zollerhöhungen in den USA werden erst im Jahresverlauf ihre volle Wirkung entfalten." Hinzu kommt, dass wichtige Kundenbranchen wie die Automobilindustrie oder der Maschinenbau vor enormen Herausforderungen stehen und Überkapazitäten aus asiatischen Ländern immer aggressiver in den europäischen Markt drängen.
"Unsere Mitgliedsunternehmen stehen daher weiter unter massivem Druck und viele kämpfen um ihre wirtschaftliche Existenz", so Theuringer. Gerade für die mittelständisch geprägte Gießerei-Industrie mit ihren noch immer mehr als 60.000 Beschäftigten werde daher entscheidend sein, dass in diesem Jahr Standortbedingungen sichtbar verbessert und
Energie- und Bürokratiekosten abgebaut werden. "Aus Sicht des BDG fällt der angekündigte Industriestrompreis dabei hinter die Erwartungen zurück und geht zudem in weiten Teilen an der Branche vorbei", erklärt Theuringer.
Dialog mit Politik "dringend notwendig"
Zugleich entstehen weitere Belastungen im europäischen Wettbewerb aus dem nationalen Brennstoffemissionshandel, obwohl die grundlegenden Voraussetzungen für Investitionen in Elektrifizierung für die mittelständischen Unternehmen nicht bereitgestellt werden. Aus Sicht von Theuringer hat die Politik die enormen Herausforderungen im energieintensiven industriellen Mittelstand nicht ausreichend im Blick. "Genau deshalb wünschen wir uns, dass in 2026 auch mittelständische Branchen wie die Gießereien stärker in den dringend notwendigen Dialog mit der Politik einbezogen werden."
Seine Forderung an die Politik, für den energieintensiven Mittelstand ein stabiles Umfeld in der zurzeit instabilen Wettbewerbssituation zu schaffen, kommunizierte Theuringer auch auf der Fachmesse Euroguss. Im Rahmen eines Paneltalks erörterte er gemeinsam mit Dr. Klaus Lellig (Vice President Europe & Asia bei Nemak) und Jan Cholewa (Economic Intelligence & Statistik im Verband der Automobilindustrie), was die Branche konkret braucht, um weiter fortschrittlich agieren zu können – und was sie heute schon alles liefern kann.
Beitragsbild: Martin Vogt