Fertigung
Foto: ABP Induction Systems
18.02.2026

Beinbauer Casting investiert in Elektroschmelzbetrieb

Mit einer wegweisenden Investition stellt die Beinbauer Group ihre Eisengießerei in Schwerte technologisch neu auf: Gemeinsam mit ABP Induction Systems entsteht am Standort ein moderner Elektroschmelzbetrieb. Die Investition im Detail.

Eine Vertragsunterzeichnung zwischen Phil Limbach (im Bild, l.) aus der Geschäftsführung der Beinbauer Group und ABP CEO Till Schreiter (r.) bildete den offiziellen Auftakt für ein richtungsweisendes Großprojekt. Der Gießereistandort Schwerte wird in den kommenden Monaten einen grundlegenden technologischen Wandel vollziehen: Der bestehende Kupolofen weicht einem modernen, elektrisch betriebenen Induktionsschmelzbetrieb – ein Schritt, der die CO2-Emissionen künftig um bis zu 90 Prozent reduzieren kann. „Trotz der aktuellen wirtschaftlichen Herausforderungen für energieintensive Industrien wird bewusst in moderne, nachhaltige Technologie investiert – im Sinne der Umwelt, der Mitarbeitenden und der langfristigen Zukunft des Standorts Schwerte“, erklärt Phil Limbach aus der Geschäftsführung der Beinbauer Group.

Die Investition der Beinbauer Group ist eine strategische Entscheidung zum Klimaschutz und zur langfristigen Wettbewerbsfähigkeit. Steigende Anforderungen entlang der Lieferkette sowie das wachsende Interesse der OEMs an CO2-armen Bauteilen haben den Transformationsdruck zuletzt erhöht. Gleichzeitig liegt die Gießerei mitten im Stadtgebiet – ein weiterer Grund, Emissionen und Immissionen deutlich zu senken. „Der Auftrag der Beinbauer Casting GmbH an die ABP Systems GmbH ist ein starkes Bekenntnis zum Standort Deutschland und unterstreicht den Willen der metallurgischen Industrie die Dekarbonisierung in Deutschland unbeirrt widriger Rahmenbedingungen voranzutreiben“, betont Till Schreiter, CEO ABP Induction Systems GmbH.

Engineering auf Basis realer Betriebsdaten

Bereits 2021 hatte Beinbauer ABP mit einer umfassenden Engineering-Studie beauftragt. Ziel war es, ein tragfähiges Konzept zu entwickeln, das sowohl die baulichen Gegebenheiten als auch den weiterlaufenden Produktionsbetrieb berücksichtigt. Mit der ABP-eigenen Simulations-Software, dem ABP Meltshop-Designer, wurden zahlreiche Varianten simuliert und auf die spezifischen Rahmenbedingungen des Kunden abgestimmt.

Die Projektteams bei einer Betriebsbesichtigung in Schwerte: Im Vordergrund beraten sich Phil Limbach (l.) und Till Schreiter (r.), im Hintergrund arbeitet der Kupolofen.

„Besonderes Augenmerk lag auf der maximalen Flexibilität des künftigen Schmelzbetriebs“, erklärt Alexander Keller, Head of System Sales bei ABP Induction, „schwankende Absatzmengen, die Weiterverwendung von Schrott- und Gattierplätzen sowie die Energieeffizienz spielten dabei zentrale Rollen.“ Auch die Integration vorhandener Speicheröfen wurde geprüft, um Investitionskosten gezielt zu optimieren. „Der neue Elektroschmelzbetrieb ist so ausgelegt, dass er sich optimal an wechselnde Produktionsmengen anpassen kann. Für Beinbauer entsteht damit ein äußerst flexibles, zukunftsfähiges System“, erklärt Alexander Keller, der das Projekt seit Beginn begleitet.

Induktionsschmelztechnik der neuesten Generation

Der neue Schmelzbetrieb wird eine Leistung von 25 Tonnen Flüssigeisen pro Stunde bereitstellen. Aus Gründen der Betriebssicherheit und Flexibilität erfolgt die Auslegung auf zwei unabhängige Schmelzanlagen, die zusammen aus drei Tiegelöfen der Baureihe ABP IFM 7 bestehen. Die modernen Absaughauben erfüllen strengste Vorgaben der TA Luft und sorgen gleichzeitig für einen optimierten Arbeits- und Umweltschutz. Die Energieversorgung erfolgt über zwei leistungsstarke MF-Umrichter mit jeweils 8.000 kW. Ergänzt wird die Anlagentechnik um die digitale Steuersoftware Prodapt Enterprise, die eine langfristige Speicherung aller relevanten Betriebs- und Produktionsdaten ermöglicht – ein entscheidender Baustein für Prozessstabilität, Auditierbarkeit und Effizienz.  

Kühlkonzept als technischer Meilenstein

Besonderes Augenmerk liegt auf dem neu entwickelten Kühl- und Wärmerückgewinnungskonzept, das die moderne Elektroschmelztechnik ergänzt. Statt der bisherigen Kühlturmlösung mit hohem Wartungsaufwand, Wasserverbrauch und Konditionierungsbedarf kommen künftig Luft/Wasser-Kühler mit drehzahlgeregelten, hocheffizienten Lüftern zum Einsatz.

Jede der beiden Ofenanlagen erhält zudem einen geregelten Zusatz-Wasser-/Wasser-Wärmetauscher, der bis zu 2.000 kW Abwärme speichern kann. Durch eine leistungsabhängige Einzelstrangregelung wird eine Rücklauftemperatur von nahezu 80°C erreicht – ein außergewöhnlich hoher Wert, der es ermöglicht, auf eine zusätzliche Wärmepumpe zu verzichten. Gleichzeitig reduziert die Ausstattung aller Pumpenstationen mit Frequenzumrichtern den Energiebedarf erheblich.

Auch die Rückkühlung vorhandener Anlagen – darunter ABP-Speicher- und Gießöfen sowie die Hydraulikstation der Formanlage – wird in das neue Konzept integriert. Die auf dem Hallendach installierten Kühler werden zudem sämtliche Lärmgrenzwerte einhalten und sorgen damit für einen emissionsarmen Betrieb mitten in der Stadt.

Die nächsten Schritte

Die Bau- und Montagearbeiten sollen bis Ende 2026 abgeschlossen sein, der Produktionsanlauf ist für Anfang 2027 geplant – dann wird in Schwerte erstmals Flüssigeisen aus dem neuen Elektroschmelzbetrieb fließen. Mit diesem Projekt setzen Beinbauer Casting und ABP Induction ein klares Zeichen: Transformation ist möglich, wenn Technologie, Mut und Partnerschaft zusammenkommen.

Beitragsbild: ABP Induction Systems