Veranstaltung
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26.05.2026

Das war der Deutsche Gießereitag 2026

Teilnehmer und Vortragende waren sich in Göttingen einig: Die Zeit der Appelle und Krisenkommunikation ist vorbei, es sind Taten und Lösungen gefragt. Rückblick auf den Deutschen Gießereitag 2026. 

Von Dr. Kristina Krüger 

Hierbei handelt es sich um die Kurzfassung eines ausführlichen und detaillierten Veranstaltungsberichts, der exklusiv in der kommenden Ausgabe 6/26 unserer Fachzeitschrift GIESSEREI erscheinen wird. Sie haben noch kein Abo? Hier finden Sie alle Informationen. 

Rund 380 Teilnehmer hatten sich in Göttingen eingefunden. „Unsere Gießereitage sind das Highlight der Branche für alle Innovationen, der Tag, an dem wir zeigen, wo wir stehen, ein Tag der Standortbestimmung, ein Tag, an dem wir zeigen können, wo es hingeht“, so leitete BDG-Präsident Clemens Küpper in seiner Begrüßungsrede den Deutschen Gießereitag ein. Nach Aachen, wo sich die Branche 2025 getroffen hatte, war eines klar: In Zeiten des Strukturwandels wäre auch in Göttingen eine Standortbestimmung ohne wirtschaftspolitische Themen und Beteiligung der Politik unvollständig. Küpper wies auf die sich zuspitzende Lage der Gießerei-Industrie in Deutschland, aber auch auf die Erfolge der politischen Arbeit des Verbands hin - "Inzwischen dringen wir durch”. Ganz besonders zur Politik: Niedersachsens Wirtschaftsminister Grant Hendrik Tonne war der BDG-Einladung nach Göttingen gefolgt und bekannte sich in seinem Impuls sehr deutlich zur energieintensiven Industrie.

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Niedersachsens Wirtschaftsminister Grant Hendrik Tonne bekannte sich in seinem Impuls sehr deutlich zur energieintensiven Industrie. Foto: BDG

Industriepolitik in einer neuen Weltordnung

Wer also auf dem diesjährigen Gießereitag an dieser Stelle kontroverse Diskussionen erwartete, wurde entsprechend enttäuscht. Tonne sah keinen Dissenz, was die Frage anging, ob die industrielle Wertschöpfungskette im Land gehalten werden muss – “Die Antwort ist ja”. Kein Dissenz auch, was die dazu notwendigen Rahmenbedingungen oder die Einschätzung dessen, was die Politik bislang beleistet hat, angeht – die Teilnehmer hätten fast auch die BDG-Positionspapiere zu den Themen lesen können.

Der Wirtschaftsminister sieht in den aus Sicht der Industrie in Tempo und Wirksamkeit enttäuschenden wirtschaftspolitischen Maßnahmen keinen Grund zum Aufgeben, im Gegenteil. Er fordert Branche und Verband auf, nicht locker zu lassen und sagt die Unterstützung der Niedersächsischen Landesregierung in Berlin und Brüssel zu. Dennoch fehlt auch ihm etwas – und diese Einschätzung sollte sich durch die gesamte Veranstaltung ziehen: Visionen und langfristige wirtschaftspolitische Maßnahmen. Und so ging es im abschließenden Panel der ersten Session weniger darum, welche, sondern eher, dass Deutschland überhaupt jetzt endlich eine wirkliche Industrieagenda braucht. “Es wurde mehrfach versucht, eine Industrieagenda zu entwickeln, sie ist aber immer in den Wirtschaftsministerien stecken geblieben”, so der Eindruck von BDG-Hauptgeschäftsführer Dr. Martin Theuringer.

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“Es wurde mehrfach versucht, eine Industrieagenda zu entwickeln, sie ist aber immer in den Wirtschaftsministerien stecken geblieben”, so der Eindruck von BDG-Hauptgeschäftsführer Dr. Martin Theuringer. Foto: Odys

Das Szenario, das die Vorträge der ersten Session vor dem Panel gezeichnet hatten, ist am ehesten als fordernd zu umschreiben. Thilo Brodtmann (VDMA) und der Volkswirt Dr. Jochen Andritzky referierten über die Zukunft industrieller Wertschöpfung in Deutschland und Europa. Brodtmann betonte dabei die gegenseitige Abhängigkeit von Maschinenbau und Gießereien: „Maschinenbau ohne Guss ist nicht denkbar. Leistungsfähige Gießereien ohne eine funktionierende Abnehmerstruktur auch nicht.“ Gleichzeitig machte er deutlich: „Nicht jede Gießerei wird diesen Strukturwandel überleben, aber ohne Strukturwandel überlebt keine.“ Andritzky wiederum warnte davor, auf politische Lösungen zu warten: „Warten Sie nicht auf die Politik, die innovativen Gedanken der Politik sind unglaublich eingetrocknet, da kann die Industrie einen großen Beitrag leisten.“

Die Sessions zu Klima- und Energiepolitik griffen anschließend zentrale Standortfragen auf. Prof. Dr. Manuel Frondel (RWI) kritisierte die europäische Vorreiterrolle in der Klimapolitik mit Blick auf die globalen Emissionen: „Wenn Asien nicht dabei ist, passiert weltweit gar nichts.“ Christian Seyfert (VIK) verwies indes auf die Wettbewerbsnachteile durch hohe Energiekosten. Ergänzt wurden die wirtschaftspolitischen Perspektiven durch Beiträge aus der industriellen Praxis von Dr. Marc Mateika (Heinrich Meier Eisengießerei) und aus dem kommunalpolitischen Tagesgeschäft von Verena Kämmerling (CDU-Landtagsfraktion Niedersachsen), die für „realistische Klimaziele“ und längere Transformationspfade plädierte.

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Wolfgang Niedermark (BDI) formulierte die zentrale Botschaft: „Es wird nicht reichen, nur an der eigenen Wettbewerbsfähigkeit zu arbeiten, das ist die Basis, aber wir brauchen auch Schutz.“ Foto: Odys

Wie bedeutend die Gießerei-Industrie für industrielle Wertschöpfung und Beschäftigung ist, zeigte Dr. Henry Goecke (IW Consult) anhand aktueller Zahlen und Szenarien. In der anschließenden Diskussion mit Wolfgang Niedermark (BDI) und Chiara Danieli (European Foundry Foundation) standen Strategien zur Sicherung europäischer Wettbewerbsfähigkeit im Mittelpunkt. Niedermark formulierte dabei die zentrale Botschaft: „Es wird nicht reichen, nur an der eigenen Wettbewerbsfähigkeit zu arbeiten, das ist die Basis, aber wir brauchen auch Schutz.“

Aus der Politik in die Praxis

Praxisbeispiele aus Industrie und Forschung zeigten anschließend, wie Transformation konkret umgesetzt werden kann. Dr. André Schievenbusch (ACCESS e.V.) stellte das Production Launch Center Aviation im Rheinischen Revier vor, das sich auf digitalisierte Fertigungstechnologien für Luftfahrtantriebe spezialisiert hat. Jürgen Unewisse (Hydrotec) berichtete über den Neubau einer Eisengießerei in Niedersachsen und betonte: „In erster Linie braucht der Unternehmer den Willen, um ein solches Vorhaben umzusetzen.“ Auch Alois Wiesinger (Fill Gesellschaft m.b.H.) setzte bewusst auf Optimismus und Standorttreue. Auf die Frage, ob zu viel über Risiken und zu wenig über Chancen gesprochen werde, antwortete er knapp: „Ja.“

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Jürgen Unewisse (Hydrotec) berichtete über den Neubau einer Eisengießerei in Niedersachsen. Foto: Odys

Die Sessions zu Forschung und Digitalisierung beschäftigten sich schließlich mit der Frage, wie innovative Technologien schneller ihren Weg in die industrielle Praxis finden können. Dr. Kai Kerber (insightfabrix solutions) beschrieb die Dynamik technologischer Entwicklungen mit den Worten: „Die Welt verändert sich gerade dramatisch in der Software.“ Beiträge von Prof. Dr. Dierk Hartmann (Steinbeis-Transferzentrum), Jan Nordmeier und Marija Lindner (TU Braunschweig) sowie Dr. Felix Gandha Salentin (Blackforge AG) zeigten konkrete Anwendungen digitaler Assistenzsysteme, Datenplattformen und KI-gestützter Lösungen für Gießereien.

Zum Abschluss rückten Themen wie digitale Weiterbildung auf dem Shopfloor, KI-Anwendungen, Energiespeicherlösungen und Cybersecurity in den Fokus. Den Schlusspunkt setzte Extrembergsteiger Rainer Petek mit einem Appell an die Veränderungsbereitschaft der Branche: „Bei Veränderungen darf man nicht dasselbe weiter machen, sondern man muss dann, wenn man noch Ressourcen hat, Neues machen und sich auf die Veränderungen einstellen.“

Das Beitragsbild zeigt neben Moderatorin Ariane Bertz (v. l.) Thilo Brodtmann (VDMA), Volkswirt Dr. Jochen Andritzky und BDG-Hauptgeschäftsführer Dr. Martin Theuringer. Foto: Odys