Forschung
22.07.2026

Europaweit einzigartiges Reallabor für sichere Wasserstoffnetze

Deutschland plant bis 2032 den Ausbau eines Wasserstoffkernnetzes mit mehr als 9000 km Leitungen. Ein Großteil davon wird durch die Umstellung bestehender Erdgasleitungen entstehen. Diese Infrastruktur soll künftig Teil des europäischen Wasserstoffnetzes „European Hydrogen Backbone“ werden und bis 2040 rund 50 000 km umfassen. Für den sicheren Betrieb müssen zahlreiche technische und sicherheitsrelevante Fragen beantwortet werden, von der Eignung bestehender Werkstoffe bis hin zum Verhalten von Leitungen unter wechselnden Betriebsbedingungen.   

Hier setzt die Testplattform des Wasserstoff-Kompetenzzentrums H2Safety@BAM an, das am 02. Juli auf dem Testgelände für Technische Sicherheit bei Baruth/Mark (Brandenburg) der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) eröffnet wurde. Herzstück des Reallabors ist die europaweit einzigartige modulare Testplattform ModuH2Pipe. Sie ermöglicht es erstmals, Pipelines und ihre Komponenten unter realistischen und zugleich extremen Betriebsbedingungen systematisch zu testen. So lassen sich starke Druckschwankungen oder hohe Durchflussmengen simulieren, indem Rohrleitungen wiederholt Drücken zwischen 10 und 85 bar ausgesetzt werden, um ein Hoch- und Runterfahren der Anlage nachzustellen. Auch Verunreinigungen lassen sich gezielt beimischen, um mögliche Alterungs- und Schädigungsprozesse von Werkstoffen sowie die Funktionsfähigkeit von Komponenten zu untersuchen.

Im Fokus stehen nicht nur die Werkstoffe, auch Fertigungs-, Schweiß- und Reparaturverfahren sollen erprobt und validiert werden. Zur Überwachung der Pipelines und Komponenten werden zudem zerstörungsfreie Prüfverfahren unter realen Bedingungen getestet und weiterentwickelt. Die gewonnen Erkenntnisse fließen in die Entwicklung digitaler Diagnose- und Entscheidungswerkzeuge, etwa zur Berechnung der Restlebensdauer oder zur Optimierung von Wartungszyklen. Außerdem können sicherheitsrelevante Bauteile wie Rohrleitungen oder Armaturen weit über die normalen Betriebsgrenzen hinaus (Drücke über 900 bar) getestet und im Falle eines Versagens die Auswirkungen genau analysiert werden.

Mit der Testplattform wird eine wichtige Voraussetzung für den sicheren und wirtschaftlichen Ausbau der Wasserstoffinfrastruktur in Deutschland und Europa geschaffen. Sie wurde vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) mit 3,8 Mio. Euro aus Mitteln des Konjunktur- und Krisenbewältigungspakets der Bundesregierung gefördert.

Beitragsbild: BAM