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09.01.2026

"First-Mover-Vorsprung": castFEX geht an den Start

Das in diesem Artikel erwähnte Unternehmen ist Aussteller auf der kommenden EUROGUSS.
EUROGUSS

Mit Beginn des neuen Jahres erfolgte in der Druckgussbranche ein strategisch bedeutsamer Zusammenschluss: Die Gießerei Moneva sowie die Bereiche Werkzeugtechnologie und Schulung/Beratung der Frech-Gruppe bündeln ihre Kräfte und treten künftig gemeinsam unter dem neuen Namen castFEX auf. Im Interview erläutern Geschäftsführer David Joop und Nikolai Clauss, Head of Sales, das Leistungsspektrum der neuen Gesellschaft und die wichtigsten Hintergründe.

Herr Joop, wie kam es zu dem Namen castFEX?

David Joop: Ein "Fex" ist im süddeutschen Sprachraum jemand, der sehr begeistert von etwas ist. Sicherlich kennen einige die Internetplattform „Bergfex“, die Freude am Alpinsport wecken möchte. Und wir sind eben begeistert vom Guss und insbesondere Druckguss.

Und diese Begeisterung möchten Sie nun teilen?

Joop: Ja, indem wir unsere vorhandenen Kompetenzen aus den Bereichen Druckgussproduktion, Werkzeugtechnologie und Schulungsangeboten an einem zentralen Standort bündeln. Durch diese Zusammenführung entsteht eine Einheit, die Kunden entlang der gesamten Wertschöpfungskette ganzheitlich und nahtlos bedienen kann. Das reicht von der ersten Bauteilidee über die Entwicklung geeigneter Werkzeugkonzepte bis hin zur Fertigung wettbewerbsfähiger Prototypen in Serienqualität. Darüber hinaus leistet castFEX die skalierbare Serienbelieferung sowie den Aufbau und die nachhaltige Festigung von Know-how.

Welche Rolle nimmt castFEX innerhalb der Frech-Gruppe ein?

Joop: Die Aufgabe von castFEX besteht darin, Entwicklungs- und Erprobungsprozesse innerhalb der Frech-Gruppe effizienter zu gestalten. Produkte und Dienstleistungen können bei uns an einem Ort umfassend getestet werden. Durch die kombinierten Technikumskapazitäten für Warm- und Kaltkammerverfahren schaffen wir zudem Raum für Innovationen.

Foto: castFEX
"Mit castFEX entsteht eine Einheit, die Kunden entlang der gesamten Wertschöpfungskette ganzheitlich und nahtlos bedienen kann", erklärt David Joop, Geschäftsführer von castFEX. Foto: castFEX

Nikolai Clauss: Gleichzeitig stärken wir die Kundenbeziehung, weil wir die Anwender unserer Technologien praxisnah begleiten. Die unmittelbare Nähe zum Frech-Stammhaus sorgt dabei für kurze Entscheidungswege zwischen Entwicklung und Erprobung und schafft damit die notwendige Planbarkeit und Verlässlichkeit für zukünftige Projekte.

Wie sieht das Leistungsspektrum von castFEX konkret aus?

Clauss: Ausgehend von unserem Missionsziel „Unlocking the Potential of Die Casting“ haben wir unser Leistungsspektrum in fünf Kernelemente aufgeteilt: Transfer to Die Cast, Prototypes, Series Applications, Academy und Innovations. Mit dieser Struktur stellen wir sicher, dass wir aktuelle wie auch zukünftige Kundenbedarfe optimal adressieren und einen Mehrwert für die gesamte Druckgussbranche darstellen können.

Lassen Sie uns in die Tiefe gehen: Was möchten Sie mit dem Baustein "Transfer to Die Cast" bezwecken?

Clauss: Damit zeigen wir, welche Vorteile der Druckguss im Vergleich zu anderen Fertigungsverfahren bieten kann. Dazu gehören unter anderem kürzere Zykluszeiten, lange Werkzeugstandzeiten und eine hohe geometrische Flexibilität. Diese Eigenschaften ermöglichen Gewichtsreduzierungen und verbessern gleichzeitig den CO₂-Footprint, etwa durch höhere Recyclingquoten oder die Substitution von Knetlegierungen. Wenn mehrere dieser Faktoren zusammenkommen, lassen sich für Kunden deutliche Einsparungen bei den Costs per Part realisieren – und genau hier setzen wir an.

Joop: Wir senken auch die Einstiegshürden, insbesondere für Unternehmen, die bisher noch keine Erfahrung mit Druckguss haben. Wir unterstützen frühzeitig bei der Identifikation geeigneter Bauteile und möglicher Funktionsintegrationen und führen parallel eine erste technische und wirtschaftliche Potenzialbewertung durch. Anschließend begleiten wir die gesamte Prozesskette – von der druckgussgerechten Bauteilentwicklung bis hin zum fertigen Produkt. In der höchsten Ausbaustufe begleiten wir sogar komplette „Greenfield“-Projekte, bei denen neue Gießereien durch die Frech-Gruppe ausgestattet und von castFEX beim Training und Serienanlauf unterstützt werden.

Was zeichnet Ihren Ansatz im Prototypenbau aus – und wie stellen Sie sicher, dass Entwicklungen vom Prototyp bis zur Serienfertigung effizient und stabil umgesetzt werden können?

Clauss: Durch simulationsgestützte Auslegung, flexible Legierungs- und Geometrieoptionen sowie den Einsatz moderner Technologien der Frech-Gruppe ermöglicht castFEX die Fertigung einbaufertiger Druckguss-Prototypen in Serienqualität und das bereits ab einer Stückzahl von 50 Bauteilen. Im Mittelpunkt unseres Ansatzes steht ein patentierter Kleinserienbaukasten, mithilfe dessen nur die konturgebenden Werkzeugelemente produktspezifisch gefertigt werden müssen. Das ermöglicht bereits bei geringen Stückzahlen wettbewerbsfähige Kosten – und zugleich sehr kurze Lieferzeiten.

"Wir zeigen, welche Vorteile der Druckguss im Vergleich zu anderen Fertigungsverfahren bieten kann", so Nikolai Clauss, Head of Sales von castFEX.

Was können Anwender von den Schulungen erwarten?

Clauss: Die castFEX Academy kombiniert Theorie- und Praxiseinheiten in unserem modernen Schulungszentrum, einem Technikum mit sechs Warm- und Kaltkammermaschinen und einer Seriengießerei. So vermitteln wir fundiertes, unmittelbar anwendbares Druckguss-Know-how, das durch individuelle Trainings, umfassende Unterlagen und die Erfahrung direkt eingebundener Frech-Experten und externer Partner unterstützt wird. Ein besonderer Vorteil für die Teilnehmer ist, dass sie das Erlernte bei uns direkt selbst anwenden können. Beispielsweise können sie die Auswirkungen von Parametervariationen direkt mit Serien-QS-Equipment wie Röntgentechnik überprüfen. Das steigert den Lernprozess enorm.

Sie betonen auch die Innovationskraft von castFEX. Welche Technologien oder Prozesse stehen dabei im Fokus?

Joop: Ein wesentlicher Treiber ist die frühe Einbindung in die Entwicklungsaktivitäten der Frech-Gruppe. Dadurch entstehen Lösungen, die in vielerlei Hinsicht wegweisend sind. Aktuell beschäftigen wir uns intensiv mit der Erweiterung der Warmkammertechnologie für alternative Legierungssysteme – etwa Zinklegierungen mit hohem Aluminiumgehalt (ZEP), die eine attraktive Substitutionsmöglichkeit für Messing darstellen. Hinzu kommen Entwicklungen im Bereich von Heißkanalsystemen (FGS), Anwendungen mit Sonderlegierungen, konturnaher Temperierung sowie dem Einsatz verlorener Kerne. Durch diese Schwerpunkte haben Kunden und Partner die Möglichkeit, gemeinsam mit uns einen echten First-Mover-Vorsprung zu erarbeiten.

Welche Impulse möchten Sie in Zukunft setzen?

Joop: Wir sind überzeugt, dass es noch enorm viele Potenziale zu heben gibt, sowohl bei bereits erfahrenen Druckgussanwendern und -abnehmern, aber eben insbesondere auch bei bisherigen Nicht-Druckgießern und Nicht-Druckgussabnehmern. Dort wollen wir ansetzen, Bestehendes noch besser machen und Neuanwendern dabei helfen, die Einstiegshürde so niedrig wie möglich und die Startgeschwindigkeit so hoch wie möglich zu gestalten.

Clauss: Die exakten Impulse dürfen, ja sollen unsere Kunden und Partner gerne gemeinsam mit uns definieren. Wir sind bei allem dabei, was die Vorteile des Druckgießens für Kunden nutzbar macht. Von der Legierungserprobung über innovative Werkzeugtechnologie, Effizienzmaximierung in der Klein-, Mittel- und Großserie bis hin zur Wissensvermittlung. Dazu bringen wir unsere eigenen Stärken in jedes Projekt mit ein und aktivieren zudem unsere Netzwerke in der Frech-Gruppe und der Druckgussbranche.

Vor dem Hintergrund heben Sie auch die Nähe zum Frech-Stammhaus in Schorndorf hervor…

Joop: Genau – die räumliche Nähe ermöglicht täglichen, unmittelbaren Austausch zu den wirklich relevanten Themen. Inhalte können jederzeit direkt dort diskutiert werden, wo sie tatsächlich stattfinden – also in der Praxis und nicht in Online-Meetings oder Besprechungsräumen. Dieser Austausch erfolgt übrigens beidseitig: Die hauptamtlichen Maschinenbauer haben einen direkten Draht zur castFEX-Gießereipraxis, während die castFEX-Gießer, -Technologen, -Qualitätsingenieure und -Trainer die Konzeptionierung und Fertigung neuer Maschinentechnologien aus erster Hand erleben. Dadurch wird Wissen schnell und praxisnah übertragen und nutzbar gemacht.

Wie werden Sie castFEX auf der bevorstehenden Euroguss einbinden?

Clauss: Auf der Euroguss präsentieren wir castFEX als integralen Bestandteil der Frech Group. Unser eigener Stand befindet sich im sogenannten Frech-Village – also in unmittelbarer Nähe zu unseren Gruppenpartnern und Frech selbst. Dort stellen wir unser Leistungsportfolio entlang der fünf Kernelemente vor, die unser Angebot strukturieren. Im Vordergrund stehen für uns jedoch die Gespräche mit den Fachbesuchern. Wir freuen uns darauf, mit bestehenden und neuen Partnern Ideen zu entwickeln und gemeinsam Wege zu finden, unsere Mission im Druckguss erfolgreich umzusetzen.

Die Fragen stellte Niklas Reiprich.

Frech Group

Halle 4, Stand 312

Beitragsbild: castFEX