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Foto: Hessisches Wirtschaftsministerium
25.06.2026

Gießerei-Dialog: Auch Hessen will Branche stärken

Die hessische Gießerei-Industrie ist ein zentraler Pfeiler des Wirtschaftsstandorts - und steht zugleich vor enormen Herausforderungen. Deutlich wurde dies zuletzt beim Hessischen Gießerei-Dialog in Wiesbaden. 

In diesem Jahr hat der Bundesverband der Deutschen Gießerei-Industrie (BDG) ein Dialog-Format ins Leben gerufen, um bundesweit mit der Politik ins Gespräch zu kommen. Nach Treffen in NRW, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Baden-Württemberg fand am 24. Juni ein solcher Austausch auch in Hessen statt. Staatssekretär Dr. Johannes Loheide (im Bild, 1. Reihe, 2. v. r.) hat Vertreter der regionalen Gießerei-Industrie, der IG Metall und des BDG getroffen, um über die Wettbewerbsfähigkeit des Industriestandorts Deutschland zu sprechen. Dabei ging es auch um die Transformation hin zur Klimaneutralität sowie die Sicherung von Wertschöpfung und Beschäftigung in Hessen. 

"Die hessischen Gießereien stehen für industrielle Stärke, technisches Know-how und qualifizierte Beschäftigung in den Regionen", sagte Loheide. Die Betriebe seien Zulieferer für Maschinenbau, Automobilindustrie, Energie- und Infrastrukturtechnik sowie sicherheitsrelevante Anwendungen. "Wer über die Zukunft des Industriestandorts Hessen spricht, muss deshalb auch über die Zukunft der Gießereien sprechen", betonte der Staatssekretär.

Dr. Martin Theuringer (im Bild, 1. Reihe, r.), Hauptgeschäftsführer des BDG, unterstrich die Bedeutung der Gießereibranche als Schlüsselindustrie für die deutsche und hessische Wirtschaft. Jedoch ständen die Mitgliedsunternehmen des Verbands aktuell vor "enormen Herausforderungen", die nur in einem "engen Dialog" bewältigt werden könnten. "Der heutige Austausch war ein wichtiger Auftakt. Wir freuen uns, den Dialog mit der Landesregierung in der Zukunft fortzuführen und zu intensivieren", so Theuringer. 

Auch Maik Grundmann (im Bild, 2. v. l.), Bezirkssekretär des IG Metall Bezirks Mitte, hob hervor, dass insbesondere die Geßerei-Industrie auf stabile Rahmenbedingungen und Planungssicherheit angewiesen sei. "Darunter fallen international wettbewerbsfähige Energiepreise, wirksame Importschutzmechanismen sowie Local-Content-Regeln. Als Vertreter der Beschäftigten in den hessischen Gießereien konnte die IG Metall zusammen mit Betriebsräten die angespannte Situation und die Notwendigkeit industriepolitischer Steuerung bekräftigen", so Grundmann.

Gemeinsame Erklärung verabschiedet

Als Ergebnis des Hessischen Gießerei-Dialogs wurde eine gemeinsame Erklärung verabschiedet, die zentrale Handlungsfelder für eine zukunftsfähige Gießerei-Industrie benennt. Dazu gehören unter anderem international wettbewerbsfähige Energiekosten, ein wirksamer Schutz vor Carbon Leakage und realistische Transformationspfade.        

Besondere Sorge äußerten die Teilnehmer über die jüngst beschlossenen Anpassungen der europäischen ETS-Benchmarks. Dies könnte für Teile auch der hessischen Gießerei-Industrie erhebliche Mehrbelastungen verursachen und internationale Wettbewerbsfähigkeit weiter untergraben. Die Teilnehmenden sind sich einig, dass hierzu rasch praxistaugliche Lösungen auf Europäischer Ebene gefunden werden müssen.

Mit dem Industriepaket hat Hessen bereits erste Schritte auf den Weg gebracht, um Investitionen schneller, verlässlicher und praxistauglicher zu ermöglichen. Der Hessische Gießerei-Dialog soll nun daran anknpüfen und den Handlungsbedarf für die energieintensive Schlüsselbranche konkretisieren. Die Landesregierung will die Ergebnisse der gemeinsamen Erklärung in den Nationalen Gießerei-Dialog einbringen, der am 10. Juli 2026 in Berlin stattfindet.

Hintergrund

In Hessen arbeiten rund 8.200 Beschäftigte an 13 Gießereistandorten. Weitere rund 8.000 Arbeitsplätze hängen in vor- und nachgelagerten Wertschöpfungsstufen direkt von der Branche ab. Hessen ist damit nach Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg der drittgrößte Gießereistandort Deutschlands. Diese starke industrielle Basis bietet erhebliche Chancen für die weitere Entwicklung des Standorts. Die Gießereien können mit ihrer Bedeutung für zentrale Wertschöpfungsketten und ihrem Beitrag zur Kreislaufwirtschaft eine wichtige Rolle bei Transformation, Resilienz und technologische Souveränität übernehmen. Damit diese Chancen genutzt werden können, fordert die Branche verlässliche und international wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen.

Beitragsbild: Hessisches Wirtschaftsministerium