Die Neuausrichtung bei Speira nimmt weiter Gestalt an: Rund 40 Millionen Euro hat das Unternehmen in einen neuen Recyclingofen investiert, der im Herbst in Betrieb gehen soll.
Mit dem vollständigen Herunterfahren der Elektrolyse hat Speira die Weichen für einen grundlegenden Wandel im Rheinwerk gestellt. Statt energieintensiver Primärerzeugung setzt das Unternehmen nun auf das Recycling von Aluminium. Ein zentraler Baustein dieser Neuausrichtung ist der neue vierte Recyclingofen. Dort werden künftig Aluminiumschrotte eingeschmolzen, die nach ihrer Weiterverarbeitung unter anderem in Getränkedosen zum Einsatz kommen.
Mit der Inbetriebnahme des Ofens erhöht Speira seine Recyclingkapazität weiter. Die Herstellung von Aluminium aus recyceltem Material benötigt rund 95 Prozent weniger Energie, als für die Produktion von Primäraluminium erforderlich ist. Entsprechend werden laut Unternehmen erhebliche Mengen an CO2-Emissionen eingespart. "Vor drei Jahren haben wir die Weiterentwicklung des Rheinwerks zu einem europäischen Recycling-Hub angekündigt. Heute sind diese Pläne Realität. Mit dem neuen Recyclingofen erweitern wir unsere Kapazitäten für den wachsenden Bedarf an recyceltem Aluminium und halten noch mehr von dem wertvollen Werkstoff im Kreislauf", erklärt Boris Kurth, verantwortlich für das Getränkedosengeschäft von Speira sowie das Rheinwerk.
Neue Nutzung der alten Hüttenfläche
Ein sichtbares Zeichen der Transformation ist in den rund 300 Meter langen alten Elektrolysehallen bereits umgesetzt: Ein Drittel der ehemaligen Hüttenflächen wurde zu einem modernen Schrottlager umgebaut. Dort werden eingehende Schrotte beprobt, sortiert und für das Einschmelzen vorbereitet. Im Fokus stehen insbesondere sogenannte Post-Consumer-Schrotte – Aluminium, das einen vollständigen Lebenszyklus durchlaufen hat und erneut in den Wertstoffkreislauf zurückgeführt wird. Die neuen Lagerkapazitäten sollen die Versorgung aller Recyclingöfen am Standort sichern.
Parallel zum Ausbau der Recyclingaktivitäten treibt Speira die Neugestaltung der übrigen ehemaligen Primärproduktionsflächen weiter voran. In den kommenden Wochen startet das Unternehmen mit dem Rückbau weiterer Bereiche und investiert dafür eigenen Angaben zufolge einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag. Wo früher Primäraluminium produziert wurde, entstehen damit neue Möglichkeiten. „Mit dem Rückbau nehmen wir die Zukunft der ehemaligen Hüttenflächen selbst in die Hand. Damit schaffen wir die Voraussetzungen für neue Nutzungsmöglichkeiten und stärken die langfristige Entwicklung des Industriestandorts Neuss“, sagt Volker Backs, Geschäftsführer von Speira.
Beitragsbild: Speira