Die veröffentlichten vorläufigen bundeseinheitlichen Übertragungsnetzentgelte für 2027 erhöhen den Kostendruck auf die deutsche Gießerei-Industrie. Trotz des in der Kalkulation bereits berücksichtigten Bundeszuschusses von 5,525 Milliarden Euro steigen sowohl die Leistungs- als auch die Arbeitspreise in den für industrielle Stromverbraucher relevanten Netzebenen deutlich. So erklärt es der Bundesverband der Deutschen Gießerei-Industrie (BDG) in einer aktuellen Stellungnahme.
Politischer Anlass für die höheren Übertragungsnetzentgelte ist die Kürzung des Bundeszuschusses: Die Bundesregierung hat diesen von zuletzt 6,5 Milliarden Euro (2026) auf 5,525 Milliarden (2027) abgesenkt. Laut BDG-Hauptgeschäftsführer Dr. Martin Theuringer bekommen die Unternehmen nun die Quittung: "Die Politik stellt erst Entlastungen bei den Stromkosten in Aussicht, zugleich steigen die Netzkosten und drohen diese Entlastungen wieder aufzuzehren. Damit müssen Gießereien 2027 trotz des angekündigten Industriestrompreises unter dem Strich sogar höhere Stromkosten befürchten." Das verschärfe ihren Wettbewerbsnachteil und verteuere die Umstellung auf klimafreundliche elektrische Produktionsverfahren. "Die Bundesregierung muss die Kürzung zurücknehmen und die Netzentgelte dauerhaft wirksam begrenzen", so Theuringer.
Rechnerisch 0,5 bis 0,8 Cent je Kilowattstunde zusätzlich
Für die Kostenwirkung ist nicht allein der Arbeitspreis entscheidend. Auch der jährliche Leistungspreis muss auf die bezogene Strommenge umgelegt werden. Bei einer für größere Gießereien typischen Benutzungsdauer von rund 2.500 bis 4.000 Stunden ergebe sich aus beiden Komponenten zusammen eine zusätzliche Belastung von ungefähr 0,5 bis 0,8 Cent je Kilowattstunde, berechnet der BDG. Die konkrete Belastung hängt von Netzebene, Jahreshöchstlast und individuellem Lastprofil des Betriebs ab.
Ausgehend von einem durchschnittlichen Gesamtstrompreis der deutschen Gießerei-Industrie von rund 24 Cent je Kilowattstunde steigt der rechnerische Strompreis damit auf knapp 25 Cent je Kilowattstunde. Das entspricht einer zusätzlichen Belastung von rund zwei bis gut drei Prozent allein durch die veränderten Übertragungsnetzentgelte. Weitere Veränderungen bei Beschaffung, Verteilnetzentgelten, Steuern oder Umlagen sind darin nicht enthalten.
Für große stromintensive Standorte mit 80 Gigawattstunden können sich Mehrkosten von rund 400.000 bis 640.000 Euro ergeben. Die Werte sind Modellrechnungen auf Basis der genannten Bandbreite und ersetzen keine individuelle Netzentgeltkalkulation.
Wettbewerbsfähigkeit und Transformation weiter unter Druck
Die zusätzlichen Netzkosten treffen eine Branche mit energieintensiven Prozessen und vielfach engen Margen. Gießereien können Kostensteigerungen in internationalen Lieferketten häufig nicht vollständig an ihre Kunden weitergeben. Höhere Stromkosten schwächen deshalb unmittelbar die Preisposition deutscher Standorte gegenüber Wettbewerbern in Ländern mit günstigeren industriellen Energiekosten.
Besonders problematisch ist laut BDG Wirkung auf Investitionen. Die Umstellung auf klimafreundlichere und stärker elektrifizierte Produktionsverfahren erhöht dem Verband zufolge den Strombedarf vieler Betriebe. Wenn jede zusätzliche Kilowattstunde zugleich mit steigenden Netzkosten belastet werde, verschlechtere sich die Wirtschaftlichkeit genau jener Investitionen, die für die industrielle Transformation erforderlich sind.
Der BDG fordert deshalb, die gesetzliche Grundlage für den Bundeszuschuss zügig und rechtssicher zu schaffen. Darüber hinaus brauche es eine dauerhaft verlässliche Finanzierung der Übertragungsnetzkosten aus dem Bundeshaushalt, eine wirksame Begrenzung der Netzentgelte und weitere Entlastungen bei staatlich veranlassten Strompreisbestandteilen. "Der Ausbau der Stromnetze ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und darf nicht einseitig über steigende Strompreise industrieller Verbraucher finanziert werden", so der Branchenverband.
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