Fertigung
Foto: Kieler Maschinenwerke
19.05.2026

Kieler Maschinenwerke starten Serienfertigung schwerer Motorenbauteile

Die Kieler Maschinenwerke haben die ersten Großkomponenten für Gasmotoren in die USA geliefert. Die Teile kommen in Rechenzentren zum Einsatz, deren Nachfrage derzeit weltweit steigt – und damit auch der Bedarf an großformatigen Gussteilen.

Die Kieler Maschinenwerke beweisen mit den ersten gefertigten Komponenten, dass in Kiel Industrieproduktion auf hohem Niveau möglich ist. "Und das ist erst der Anfang", sagt Geschäftsführer Peter Nortmann (im Bild, l.). Die Zusammenarbeit mit internationalen Kunden sei auf langfristiges Wachstum ausgelegt. In den kommenden Jahren soll das bereits signifikante Auftragsvolumen am Standort Kiel weiter deutlich ausgebaut werden.

Nur wenige Unternehmen in Deutschland sind in der Lage, schwere Präzisionsteile für Großmotoren zu fertigen. Am Standort Kiel-Friedrichsort entstehen zentrale Großkomponenten wie Zylinderkurbelgehäuse, Zylinderköpfe, Pleuelstangen und Schwungräder. Die Bauteile werden anschließend beim Kunden in Kiel zu kompletten Gasmotoren montiert. Ein Zylinderkurbelgehäuse wiegt rund 38 Tonnen, ein vollständig montierter Motor erreicht ein Gesamtgewicht von bis zu 164 Tonnen.

Für die präzise Bearbeitung und Fertigung solcher komplexen Bauteile kommen bei den Kieler Maschinenwerken hochspezialisierte Anlagen zum Einsatz, darunter die großformatige Portalfräsmaschine Waldrich Coburg. Die Anlagen ermöglichen die Bearbeitung von Gussteilen mit einem Gewicht von bis zu 100 Tonnen. In Vorbereitung auf die Serienfertigung hat das Unternehmen gezielt in den Maschinenpark investiert und neue Fertigungskapazitäten aufgebaut. 

KI-basierte Anwendungen treiben die Nachfrage voran

Die Gasmotoren zählen zu den leistungsstärksten Aggregaten für die industrielle Stromerzeugung. Sie werden künftig vor allem in Rechenzentren in den USA eingesetzt, wo sie eine stabile und unabhängige Energieversorgung sicherstellen sollen. Der steigende Energiebedarf KI-basierter Anwendungen treibt die Nachfrage nach solchen Systemen weltweit - für die Kieler Maschinenwerke ein Startschuss für die Serienfertigung.

Der Markt für Großmotoren gewinnt damit zunehmend auch für Gießereien an Bedeutung. Ein Beispiel dafür ist die Eisengießerei Torgelow in Mecklenburg-Vorpommern. Das Unternehmen hatte zuletzt mit dem Wegfall des langjährigen Großkundens Siemens Gamesa zu kämpfen, dessen Aufträge über die Hälfte des Jahresumsatzes ausmachten. Der Windkraft-Riese, so berichtet die Lokalzeitung Nordkurier, habe erklärt, man werde die Teile künftig günstiger aus China beziehen. Die Gießerei Torgelow will nun die Produktion von Windrad-Komponenten reduzieren und hin zu Großmotoren - etwa für Schiffe oder KI-Rechenzentren. Eine Zusammenarbeit mit den Kieler Maschinenwerken ist aber offiziell nicht bekannt. 

Das Beitragsbild zeigt v. l. Peter Nortmann, Geschäftsführer der Kieler Maschinenwerke, und Betriebsleiter Stephan Dencker. Foto: Kieler Maschinenwerke