Der Verein Deutscher Giessereifachleute (VDG) hat Dr.-Ing. Dr.-Ing. E. h. Erwin Flender im Rahmen der Mitgliederversammlung auf dem Deutschen Gießereitag 2026 in Göttingen die Ehrenmitgliedschaft verliehen. VDG-Präsident Lars Steinheider überreichte die Auszeichnung vor den Mitgliedern des Vereins.
Die Ehrenmitgliedschaft des VDG gehört zu den seltensten Auszeichnungen des Vereins. Seit 1990 wurde sie nur in wenigen Fällen vergeben. Mit der Ehrung würdigt der VDG das jahrzehntelange Engagement von Dr. Flender für die Gießereitechnik, die industrielle Gemeinschaftsforschung sowie die Förderung des technischen Nachwuchses.
Dr. Flender zählt zu den prägenden Persönlichkeiten der deutschen Gießerei-Industrie. Nach einer Ausbildung zum Dreher und dem zweiten Bildungsweg studierte er Produktions- und Maschinentechnik sowie später Gießereikunde an der RWTH Aachen. Seine berufliche Laufbahn führte ihn zunächst an das Gießerei-Institut der RWTH Aachen und anschließend in verantwortliche Positionen in Industrie und Forschung.
Seit dem Gründungsjahr 1988 war Dr. Flender Gesellschafter der MAGMA Gießereitechnologie GmbH und bis Februar 2014 Geschäftsführer des Unternehmens. Mit MAGMA wurde die rechnergestützte Simulation in der Gießereitechnik international maßgeblich vorangetrieben. Darüber hinaus engagierte er sich in zahlreichen wissenschaftlichen, technischen und verbandlichen Gremien.
Dem VDG trat Dr. Flender bereits 1979 bei. Seit den 1980er-Jahren wirkte er aktiv in verschiedenen Fachausschüssen mit. Von 2002 bis 2017 war er Vorsitzender des Forschungsbeirats des VDG. 2012 wurde er zum Vizepräsidenten des VDG gewählt und übernahm zusätzlich ehrenamtlich das Amt des VDG-Hauptgeschäftsführers.
Engagement für wissenschaftlichen Austausch
Auch über den VDG hinaus prägte Dr. Flender die Entwicklung der Branche nachhaltig. Von 2012 bis 2021 war er Präsident des Bundesverbands der Deutschen Gießerei-Industrie e.V. (BDG). In dieser Funktion setzte er sich insbesondere für die Weiterentwicklung der Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten der deutschen Gießerei-Industrie ein. Unter seiner Mitwirkung entstanden neue Formate des Austauschs zwischen Industrie, Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Gleichzeitig engagierte er sich intensiv für die Nachwuchsförderung und internationale Netzwerke junger Fachkräfte.
Bereits 1988 erhielt Dr. Flender den Eugen-Piwowarski-Preis des VDG für seine Dissertation „Rechnergestütztes Simulieren und Modellieren des Warmrissverhaltens bei der Erstarrung warmfester Stahlgussqualitäten“. Für sein Lebenswerk und seine herausragenden Verdienste um die Gießereitechnik wurde er später zudem mit der Adolf-Ledebur-Denkmünze ausgezeichnet – der höchsten Ehrung des VDG.
Im Jahr 2020 verlieh ihm die RWTH Aachen University die Würde eines Doktors der Ingenieurwissenschaften ehrenhalber. Gewürdigt wurden damit seine ingenieurwissenschaftlichen und unternehmerischen Leistungen im Bereich der Modellierung und Simulation in der Gießereitechnik sowie sein langjähriges gesellschaftliches Engagement für Forschung und Nachwuchsförderung.
Mit der Verleihung der Ehrenmitgliedschaft setzt der VDG ein Zeichen der Anerkennung und Dankbarkeit für ein außergewöhnliches Lebenswerk, das die Entwicklung der Gießereitechnik und der Gießereibranche über Jahrzehnte hinweg maßgeblich geprägt hat.
Beitragsbild: BDG