Die Energiewende fordert von Industriebetrieben einen dynamischen Umgang mit volatilen Stromspeichern und steigenden Netzentgelten. Moderne Batteriespeicher bieten hierfür eine wirtschaftliche Lösung, die sich durch intelligente Steuerung und vielfältige Erlösmodelle bereits nach wenigen Jahren amortisieren kann.
Von Lukas Eckert
Die Energiewende verändert die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für Industriebetriebe tiefgreifend. Während erneuerbare Energien den Strommix zunehmend dominieren, sehen sich Unternehmen weiterhin hohen und stark schwankenden Strompreisen ausgesetzt. Hinzu kommen regulatorische Anforderungen, die eine effizientere Nutzung eigener Erzeugungsanlagen und mehr Transparenz im Energiemanagement verlangen. Vor diesem Hintergrund gewinnen Batteriespeicher als strategisches Werkzeug an Bedeutung, um Flexibilität zu erhöhen und Stromkosten zu senken.
Industrielle Speicher sind längst mehr als klassische Notstromlösungen. Sie erschließen ein breites Spektrum wirtschaftlicher Potenziale, die sich vier zentralen Hebeln zuordnen lassen: Erhöhung des Eigenverbrauchs aus Photovoltaik, Reduktion von Lastspitzen, Optimierung des Stromeinkaufs sowie – zunehmend im Fokus – Teilnahme am automatisierten Stromhandel. Zusammen ermöglichen diese Hebel erhebliche Einsparungen.
Eigenverbrauch aus Photovoltaik steigern
Viele Unternehmen betreiben inzwischen Photovoltaikanlagen, nutzen deren wirtschaftliches Potenzial jedoch oft nur teilweise. Ohne Speicher liegt der Eigenverbrauch des erzeugten Solarstroms häufig unter 50 Prozent. Ursache ist weniger ein zu geringer Bedarf, sondern die zeitliche Differenz zwischen Erzeugung und Verbrauch.
Ein Batteriespeicher gleicht diese Diskrepanz aus. Überschüssiger Strom aus sonnenreichen Stunden wird gespeichert und später genutzt – etwa am Morgen oder Abend. In der Praxis lassen sich Eigenverbrauchsquoten von über 90 Prozent erreichen. Besonders attraktiv wird dieser Hebel, wenn Einspeiseerlöse deutlich unter den Strombezugskosten liegen. Aktuell betragen typische Preisunterschiede rund 20 Cent pro Kilowattstunde. Entsprechend können die Einsparungen schnell Größenordnungen von etwa 20 Prozent der gesamten Stromkosten erreichen.
Lastspitzenkappung: Ein oft unterschätzter Kostentreiber
Während der Gesamtstromverbrauch meist gut bekannt ist, wird der Einfluss einzelner Lastspitzen häufig unterschätzt. Leistungsabhängige Netzentgelte, die sich an der höchsten Viertelstundenleistung eines Jahres orientieren, machen in vielen Betrieben 20 bis 40 Prozent der Stromkosten aus. Bereits kurze Spitzen können die Kostenbasis eines ganzen Jahres erhöhen. Batteriespeicher ermöglichen hier eine gezielte Glättung. Sie liefern Energie genau dann, wenn kritische Schwellenwerte überschritten zu werden drohen. Moderne Energiemanagementsysteme erkennen solche Situationen frühzeitig, indem sie Lastdaten, Produktionspläne und Wetterprognosen kombinieren.
Für viele Unternehmen ist die Lastspitzenkappung der stabilste und am besten kalkulierbare Bestandteil der Speicherwirtschaftlichkeit. Einsparungen im sechsstelligen Bereich pro Jahr sind bei mittelgroßen Installationen keine Seltenheit (Bild 1).
Stromeinkauf: Flexibilität in dynamischen Tarifen nutzen
Mit der zunehmenden Spotmarkt-Exposure, etwa durch steigende Verbreitung dynamischer Stromtarife, gewinnt der Zeitpunkt des Stromeinkaufs stark an Bedeutung. Die Preise schwanken teils erheblich – von sehr niedrigen oder sogar negativen Werten bis hin zu extremen Spitzen.
Unternehmen ohne Flexibilitätsoptionen können diese Schwankungen nur begrenzt nutzen. Ein Batteriespeicher entkoppelt hingegen Verbrauch und Einkauf. Strom wird in günstigen Phasen geladen und später verbraucht. Für viele Betriebe entsteht dadurch eine zusätzliche Einsparquelle, insbesondere wenn Potenziale aus Eigenverbrauchs- und Lastmanagement bereits genutzt werden. Voraussetzung ist eine intelligente Steuerung, die Erzeugung, Verbrauch und Preisprognosen konsistent verknüpft.
Automatisierter Stromhandel: Der dynamischste Hebel
Der wirtschaftlich flexibelste Ansatz ist die Marktteilnahme über Batteriespeicher. Freie Kapazitäten werden automatisiert genutzt, um zusätzliche Erlöse zu generieren. Besonders attraktiv ist ein Multi-Market-Ansatz, bei dem das Energiemanagementsystem kontinuierlich entscheidet, welche Vermarktungsoption aktuell den höchsten Nutzen bietet.
Im Stromhandel profitiert der Speicher von Preisschwankungen: Laden bei niedrigen Preisen, Verkauf bei hohen Preisen. Ergänzend bieten Systemdienstleistungen wie Regelenergie oder Netzdienstleistungen ein weiteres Erlösfeld, bei dem insbesondere die schnelle Reaktionsfähigkeit von Speichern vergütet wird.
Die Herausforderung moderner Steuerungssysteme besteht darin, diese Optionen ganzheitlich zu optimieren. Sie müssen festlegen, welcher Teil der Kapazität für betriebliche Anwendungen reserviert bleibt und welcher flexibel am Markt eingesetzt wird. Gleichzeitig sind Ladezustände, vertragliche Verpflichtungen und regulatorische Vorgaben zu berücksichtigen.
Flexible Netzentgelte: Ein zusätzlicher Belastungsfaktor
Neben den bekannten Herausforderungen durch volatile Strompreise und Lastspitzen kommt auf die Industrie ein weiterer Faktor zu: Mit der sogenannten AgNes-Reform (Verfahren zur Festlegung der Allgemeinen Netzentgeltsystematik Strom) verändert sich die Systematik der Netzentgelte grundlegend. Künftig sollen Netzkosten stärker an der tatsächlichen Auslastung der Infrastruktur ausgerichtet werden. Strombezug in Zeiten hoher Netzbelastung wird teurer, während Niedriglastphasen wirtschaftliche Vorteile bieten.
Für Unternehmen mit bislang konstantem Verbrauchsverhalten entsteht daraus ein spürbar höheres Kostenrisiko. Wer seinen Strombezug zeitlich nicht steuern kann, wird häufiger mit erhöhten Netzentgelten konfrontiert. Damit gewinnt Flexibilität eine neue wirtschaftliche Dimension.
Batteriespeicher bieten in diesem Kontext einen entscheidenden Vorteil. Sie ermöglichen es, Energie gezielt in günstigen Netzphasen aufzunehmen und zeitversetzt zu nutzen. Produktionsprozesse bleiben stabil, während sich der Strombezug dynamisch an die Kostenstruktur anpassen lässt. Gleichzeitig wirken Speicher als Puffer gegenüber kurzfristigen Leistungsspitzen, die auch künftig ein relevanter Kostentreiber bleiben.
Was bislang primär als Instrument zur Optimierung einzelner Kostenkomponenten galt, entwickelt sich damit zu einer zentralen Antwort auf ein zunehmend variables Netzentgeltsystem.
Welche Faktoren die Rentabilität steigern
Ob sich ein industrieller Batteriespeicher rechnet, hängt von mehreren Einflussgrößen ab. Neben den Investitionskosten spielen insbesondere das individuelle Lastprofil und die vertraglichen Strombezugskonditionen eine wesentliche Rolle. Hinzu kommt die Qualität des eingesetzten Energiemanagementsystems, das die verschiedenen Optimierungsstrategien koordiniert.
Derzeit bewegen sich die Investitionskosten für industrielle Speicherlösungen typischerweise in einer Bandbreite von etwa 150 bis 250 Euro pro Kilowattstunde Kapazität, ergänzt um projektabhängige Installations- und Anschlusskosten.
Unter geeigneten Rahmenbedingungen lassen sich in vielen Betrieben Kostenreduktionen von deutlich über 30 Prozent erzielen. Werden Eigenverbrauchsoptimierung, Lastmanagement und flexible Beschaffungsstrategien kombiniert, ergeben sich häufig Amortisationszeiträume zwischen drei und vier Jahren.
Einsparpotenzial auch in der Gießerei-Industrie
Wie massiv die Hebelwirkung in der Schwerindustrie ausfällt, zeigt das Projekt einer mittelständischen Gießerei. Mit einem Jahresverbrauch von 29 GWh und Stromkosten von rund 4,5 Millionen Euro operiert der Betrieb in einem hochsensiblen Kostenumfeld. Die technologische Herausforderung lag hier in einer extremen Lastspitze von über 7 MW, die aufgrund der leistungsabhängigen Netzentgelte einen unverhältnismäßig hohen Anteil an der Stromrechnung verursachte.
Durch die Installation eines Batteriespeichers konnte das Unternehmen diese Spitzen gezielt kappen. Die Bilanz nach der Implementierung verdeutlicht das enorme Einsparpotenzial: Bei Investitionskosten von 1,3 Millionen Euro reduziert der Speicher die jährlichen Stromkosten um rund 330 000 Euro. Damit ergibt sich für die Gießerei eine Amortisationszeit von knapp vier Jahren. Dieses Beispiel unterstreicht, dass die Investition in Speicherflexibilität gerade für energieintensive Betriebe kein bloßer Nachhaltigkeitsaspekt ist, sondern eine unmittelbare Antwort auf den Kostendruck durch Netzentgelte und Lastspitzen (Bild 2).
Industrielle Batteriespeicher haben sich zu einem zentralen wirtschaftlichen Steuerungsinstrument entwickelt. Sie senken nicht nur Energiekosten, sondern schaffen die notwendige Flexibilität für volatile Preise und dynamischere regulatorische Rahmenbedingungen. Insbesondere die AgNes-Reform macht deutlich, dass steuerbarer Strombezug künftig zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor wird. Batteriespeicher stabilisieren Kosten, reduzieren Risiken und sichern Unternehmen zusätzliche Handlungsspielräume in einem zunehmend komplexen Energiesystem.
Über Voltvera
Voltvera ist ein Anbieter von Batteriespeicherlösungen für Industrie- und Gewerbekunden. Das Unternehmen kombiniert technisches Know-how im Bereich Batteriesysteme mit Kenntnissen der Energiewirtschaft und übernimmt die Umsetzung entsprechender Projekte. Das Leistungsspektrum umfasst eigenen Angaben zufolge die Analyse von Einsatzpotenzialen, Planung, Beschaffung, Installation und Inbetriebnahme sowie den Betrieb und die Optimierung der Systeme. Der Autor des Beitrags, Lukas Eckert, ist Geschäftsführer des in Münster ansässigen Unternehmens.
Fotos/Grafiken: Voltvera